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10.07.2017

Drei naive Irrwege der Agilitäts-Bewegung und eine Alternative

Agilität ist die Heilsbotschaft der Gegenwart. Und doch wundern sich immer mehr agile Unternehmen, dass damit nicht alle Mitarbeiter bedingungslos glücklich werden und es bei Einzelnen sogar zum Burnout kommen kann. Was läuft falsch in der Agilitäts-Bewegung? Und noch viel wichtiger: Wie heilen wir die Fehler?
 

1. Agilität ist ein Muss
Liest man die angesagten Management-Medien, dann ist Agilität alternativlos. Und in der Tat: Die Forderung der Märkte und der Kunden nach Geschwindigkeit, Individualität und Flexibilität erfordern eine neue Logik der Zusammenarbeit. Das Agile Manifest wird dabei zur neuen Richtschnur für eine neue Zeit und eigentlich klingt alles im Manifest so, dass man es sofort unterschreiben möchte:

  • Individuen und Interaktionen sind wichtiger als Prozesse und Werkzeuge
  • Funktionierende Software ist wichtiger als eine umfassende Dokumentation
  • die Zusammenarbeit mit dem Kunden ist bedeutsamer als eine ausgefeilte Vertragsverhandlung
  • das Reagieren auf Veränderung gilt mehr als das Befolgen eines Plans

2. Burnout & Co irritieren
Wenn da nur nicht der ungeschriebene Beipackzettel mit den Nebenwirkungen wäre. Die neue Agilität überfordert viele Mitarbeiter, die jahrelang in der alten Logik sozialisiert worden sind. Die neue Transparenz, die kurzen Abstimmungszyklen, der vermeintliche oder wirkliche Zeitdruck – nicht jeder Mitarbeiter schreit sofort Hurra nach seinen ersten Realerfahrungen mit der neuen Glücks-Methode. Hinzu kommen aber auch selbstgemachte Probleme, mindestens drei an der Zahl.
 

3. Drei Irrwege sorgen für unnötigen Stress
Agilität wäre vielleicht viel erfolgreicher, wenn typische Irrwege vermieden würden, indem man nicht naiv davon ausgeht, dass Agilität ein Selbstläufer ist. Nur einmal drei anekdotische Beispiele:
 

a. Der naive Jump In
Klassisch ist da der naive Jump in. Einige Unternehmen glauben, dass man mit Agilität einfach anfangen kann und dass es kein weitergehendes Rüstzeug und keine Einführungsphase braucht. Das ist wirklich naiv und überfordert am Ende alle, die eben nicht quasi intuitiv alle notwendigen Kompetenzen für die neue Agilität mitbringen.
 

b. Die isolierten Könner
In Unternehmen, wo man sich der Kompetenz-Notwendigkeit bewusst ist, werden aber auch oft Fehler begangen. Zum einen wird nur das methodische Wissen trainiert, zum anderen werden agile Inseln geschaffen, ohne all diejenigen mitzunehmen, die wichtig sind, damit die neuen Formen der Zusammenarbeit auch über die Inseln hinaus funktionieren.

Letzteres – die Insel der Könner, wie z. B. die IT – können als Teil einer ambidextren Organisation der zwei Geschwindigkeiten oder Logiken Sinn machen. Sie können aber auch zur Isolation der agilen Einheiten ohne Anschlussfähigkeit führen.
Was ist die Alternative?
 
c. Die Methoden-Fetischisten
Die Methodisten schulen breit ihre agilen Forces, aber sie schulen sehr oft nur die reine Methode. Agilität ist aber mehr als irgendwelche formal vorgeschriebenen Riten sondern eher eine Haltung. Damit der Change gelingt, müssen Mitarbeiter nicht nur können, sondern auch wollen.

Sie ahnen, worauf es hinaus läuft 😉

Die Alternative - Das Wollen fördern

Wer kennt das nicht, in Schule, Ausbildung oder Studium Stoff zu verinnerlichen, ging am besten dann, wenn man

  • Interesse oder Spaß am Thema hatte
  • Man verstanden hatte, wofür man das lernt
  • Erlebte, dass das Gelernte zur eigenen Wirksamkeit betrug
  • Man sich als Teil, wenn auch manchmal, einer Leidens-Gemeinschaft fühlte
  • Der Lehrer cool und kompetent war

Mit anderen Worten: Das sind auch Ihre To Dos im Kontext Agilität.

Spaß am Thema lässt sich allerdings nicht verordnen. Aufzuzeigen, dass der ganze Agilitätshype wirklich auch was mit der persönlichen Zukunft jedes Einzelnen zu tun hat und es unabdingbar ist, sich damit zu beschäftigen und das am besten direkt mit anderen zusammen, fördert zumindest Einsicht und führt häufig auch zum Wollen.

Wenn Führungskräfte dann auch noch die Rolle des kompetenten Vorbildes übernehmen, wäre das schon ganz schön cool …

Wir haben im Rahmen unserer Aktivitäten jedenfalls festgestellt, dass unsere Begleitung am Ende die dunklen Seiten der Agilität deutlich minderte und die Akzeptanz weitgehend verbesserte. Das kann natürlich vor allem auch an uns liegen 😉, aber es ist dann doch wahrscheinlicher, dass es vor allem daran liegt, dass man die Irrwege systematisch vermeidet.

Daher: Seien Sie agil, aber nicht naiv agil.

Antje Röwe

Bild: Shutterstock

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Die passtgut-Trainings von Antje Röwe:
Mut und Haltung für das neue Arbeiten

Juni 2017

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